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Format
Impuls
Date
28. September 2022

Power-2-Heat

Erdgaseinsparung und Klimaschutz in der Industrie

Einleitung

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die ­Notwendigkeit, den Verbrauch fossiler Energien und insbesondere von Erdgas schnell zu reduzieren, deutlich verschärft. Neben kurzfristigen Sparmaßnahmen als Reaktion auf die Energiekrise muss ein Fokus darauf gelegt werden, dass der Erdgasverbrauch der Industrie strukturell sinkt.

Im Kontext des REPowerEU-Plans der EU-Kommission ist die Industrie dazu angehalten, ihren Erdgasverbrauch bis zum Jahr 2030 in etwa zu halbieren. Das Bundes-Klimaschutzgesetz erfordert eine Minderung der industriellen Treibhausgasemissionen um rund ein Drittel bis zum Jahr 2030.

Diese Studie zeigt auf, welche Potenziale der Elektrifizierung (Power-2-Heat) der industriellen Prozesswärme bis 500 Grad Celsius etwa in der Papier-, Lebensmittel- oder Kunststoffindustrie bestehen, um diese Ziele zu erreichen.

Durch eine Umstellung der Wärmeerzeugung auf strombasierte Verfahren sinken sowohl der Erdgasverbrauch als auch die Treibhausgasemissionen in der Industrie deutlich. Zudem unterstützen diese Verfahren durch die Möglichkeit eines flexiblen Betriebs die Integration Erneuerbarer Energien.

Um den Markthochlauf dieser Verfahren durch eine Kombina­tion von Fördern und Fordern zu ermöglichen, muss eine Reihe regulatorischer Hemmnisse ­beseitigt werden. In unserer Studie zeigen wir, wie dies gelingen kann.

Kernergebnisse

  1. Eine zügige industrielle Wärmewende trägt zum Klimaschutz bei und ist notwendig, um den deutschen Beitrag zur Minderung des Erdgasverbrauchs im Rahmen des REPowerEU zu erfüllen.

    Bis 2030 können Industriestandorte in Deutschland 90 TWh Erdgas durch die Elektrifizierung industrieller Prozesswärme einsparen. Das entspricht bis zu drei Viertel der in der Industrie notwendigen Einsparung gemäß REPowerEU-Plan und mindert 12,5 Millionen Tonnen CO₂ – 18 Prozent des deutschen Sektorziels für die Industrie.

  2. Der Einsatz von Wärmepumpen und Elektrodenkesseln in der Industrie muss im Einklang mit der Dekarbonisierung des Stromsektors erfolgen.

    Ein flexibler Stromverbrauch hilft, hohe Anteile Erneuerbarer Energien zu integrieren und deren volatile Erzeugung besser zu nutzen. Diese Flexibilität ermöglicht es, die Zielvorgabe der Bundesregierung von 80 Prozent Erneuerbaren bis 2030 effizient zu erreichen.

  3. Durch den Abbau regulatorischer Hemmnisse und Fehlanreize wird Elektrifizierung attraktiver und Flexibilität ermöglicht.

    Um Verbrauchsflexibilitäten anzureizen, muss die Einführung zeitlich differenzierter Netzentgelte politische Priorität werden. Ebenso muss die Privilegierung erdgasbasierter Technologien gegenüber direktelektrischen Anwendungen beendet werden.

  4. Im Energiesicherungsgesetz sollte das Jahr 2035 für einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern für Prozesswärme bis 500 Grad verankert werden.

    Ein Sonderförderprogramm kann die Kostenlücke bei strombasierten Technologien schließen und ein gesetzlicher Zero-Carbon-Standard für Neuinvestitionen schafft Planungs- und Investitionssicherheit.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Paul Münnich, Julia Metz, Philipp D. Hauser (alle Agora Industrie); Andreas Kohn, Thomas Mühlpointner (FutureCamp)
Publikationsnummer
269/05-I-2022/DE
Versionsnummer
1.0
Veröffentlichungsdatum

28. September 2022

Seitenzahl
52
Zitiervorschlag
Agora Industrie, FutureCamp (2022): Power-2-Heat: Erdgaseinsparung und Klimaschutz in der Industrie
Projekt
Diese Publikation wurde erstellt im Rahmen des Projektes Power-2-Heat: Klimafreundliche Prozesswärme für die Industrie.

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