-
Mit dem Reformvorschlag für den EU-Emissionshandel (ETS I) versucht die Kommission einen Spagat zwischen Unternehmen, die bereits in die Dekarbonisierung investiert haben und denjenigen, die es nicht getan haben.
Während sich die einen auf einen ambitionierten CO₂-Preis verlassen haben, fordern die anderen eine Abschwächung. Der Vorschlag würde den Preispfad jedoch erheblich schwächen und riskiert den Brückenschlag in die Zukunft. Im Interesse Deutschlands liegt ein Politikmix, der den effizienten Einsatz begrenzter Staatsgelder ermöglicht.
-
Der ETS I ist entscheidend für den klimaneutralen Business Case.
Bei einem CO₂-Preispfad von über 110 Euro pro Tonne ab 2030 und über 180 Euro ab 2040 sind grüne Technologien wie industrielle Wärmepumpen in der Chemie oder Direktreduktionsanlagen in der Stahlherstellung rentabel. Wird der Preispfad abgeschwächt, droht die Wirtschaftlichkeit zu kippen und Investitionen bleiben aus – sofern Fördermittel die Lücke nicht schließen.
-
Ein schwacher CO₂-Preispfad ist mit hohen öffentlichen Mehrausgaben verbunden.
Um fossile Abhängigkeiten zu reduzieren und die Transformation auf Kurs zu halten, müsste der Staat eine geschwächte Lenkungswirkung des ETS durch Fördermittel kompensieren. Durch Mindereinnahmen aus den ETS I-Zertifikaten und den nötigen Anstieg der Fördermittel könnten jährlich Mehrkosten von bis zu zehn Milliarden Euro für den Staatshaushalt entstehen – im Vergleich zu einem Szenario mit ambitioniertem ETS I.
-
Dieser Zusammenhang muss der Bundesregierung als Richtschnur für die kommenden Verhandlungen zur ETS-Reform und zum Bundeshaushalt dienen.
In einem ausgewogenen Politikmix greift ein starker Emissionshandel mit verlässlichen Förderprogrammen gut ineinander. Der Markt setzt die Investitionsanreize, Förderprogramme schließen die Wirtschaftlichkeitslücke und beschleunigen den nötigen Infrastrukturausbau. Dieses Zusammenspiel schafft eine Zukunftsperspektive für die deutsche Industrie.
Zukunftsperspektive für den Industriestandort Deutschland
Investitionen anreizen und Resilienz stärken
Zusammenfassung
Die Modernisierung der Grundstoffsektoren Stahl, Chemie und Zement ist entscheidend, um den deutschen Wirtschaftsstandort widerstandsfähiger und klimaneutral zu gestalten. Dafür muss die Bundesregierung energieintensive Unternehmen kurzfristig von hohen fossilen Energiepreisen und handelspolitischen Herausforderungen entlasten und zugleich Anreize für klimafreundliche Investitionen schaffen. Ein zielgerichteter Investitionsrahmen erfordert einen ausgewogenen Politikmix: Zentrales Instrument ist ein ambitionierter CO₂-Preispfad im Emissionshandel (EU ETS), der klimaneutrale Technologien für Unternehmen wirtschaftlich macht und Investitionen absichert. Wird der CO₂-Preis abgeschwächt, fehlen wichtige Investitionsanreize. Der Staat muss diese Lücke mit zusätzlichen Fördermitteln, etwa im Rahmen von Klimaschutzverträgen, schließen, damit die Transformation auf Kurs bleibt. Die dadurch entstehenden Mehrkosten können bis zu 10 Milliarden Euro betragen.
Kernergebnisse
Bibliographische Daten
Downloads
-
Policy Brief
pdf 479 KB
Zukunftsperspektive für den Industriestandort Deutschland
Investitionen anreizen und Resilienz stärken
Grafiken aus dieser Publikation
Energieverbrauch in der Industrie, 2023
Abbildung 1 von Zukunftsperspektive für den Industriestandort Deutschland auf Seite 5
Politikmaßnahmen für den Markthochlauf klimaneutraler Grundstoffe
Abbildung 2 von Zukunftsperspektive für den Industriestandort Deutschland auf Seite 7