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Format
Impuls
Date
1. April 2022

12 Thesen zu Wasserstoff

Die wichtigsten Überlegungen zur effizienten und sinnvollen Nutzung eines erneuerbaren Energieträgers von begrenzter Verfügbarkeit.

Einleitung

Der russische Angriff auf die Ukraine hat eine Zeitenwende in Europa eingeläutet, die auch für die Energiepolitik folgenreich ist. Die Preise für fossiles Gas haben ungekannte Höhen erreicht, was spürbare Auswirkungen für Haushalte und die Wirtschaft hat. Es ist unklar, wie hoch die Kosten und das Niveau der Versorgung mit Erdgas in Europa künftig sein werden. Damit kommt weitere Bewegung in die Diskussion um grünen Wasserstoff, der mittel- und langfristig fossiles Gas ersetzen kann, heute aber noch größtenteils daraus hergestellt wird.

Klar ist: Für das Ziel der Klimaneutralität 2045 in Deutschland werden erhebliche Mengen an grünem Wasserstoff benötigt. Die hohen Gaspreise haben Auswirkungen auf den Weg dorthin: Bisher galt fossiler Wasserstoff mit CO2-Abscheidung als schnell skalierbare Brückentechnologie. Dieser Weg ist deutlich teurer geworden und grüner Wasserstoff ist relativ betrachtet schneller wettbewerbsfähig. Damit ist der Hochlauf von erneuerbarem Wasserstoff dringender denn je.

Die neuen Verhältnisse verlangen umso mehr den Fokus auf No-Regret-Anwendungen, die nur unter Einsatz von grünen Molekülen klimaneutral werden können. Mit den 12 Thesen zu Wasserstoff möchten wir evidenzbasierte Einschätzungen liefern, um damit die Vielfalt an Studien zu Wasserstoff in einem konsistenten Rahmen zu diskutieren.

Kernergebnisse

  1. Wasserstoff ist ein entscheidender Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität, allerdings hat die Elektrifizierung Vorrang, wo immer es möglich ist: Darüber besteht breite Einigkeit.

    Im Jahr 2050 werden CO₂-freier Wasserstoff und grüne synthetische Brennstoffe etwa ein Fünftel der Endenergie bereitstellen, den großen Rest liefert erneuerbarer Strom. Expert:innen sind sich einig, dass Wasserstoff in erster Linie zur Dekarbonisierung von Industrie, Schifffahrt und Luftverkehr sowie zur Absicherung eines erneuerbaren Energiesystems beitragen wird. Entsprechend sollte die Wasserstoffinfrastruktur entlang dieser No-regret-Anwendungen entwickelt werden.

  2. Um erneuerbaren Wasserstoff zu fördern, braucht es gezielte Politikinstrumente für No-Regret-Anwendungen.

    Nur so lassen sich dort, wo eine CO₂-Bepreisung allein nicht (schnell) genug wirken kann, Anreize für die Nutzung von Wasserstoff schaffen. Während für No-regret-Anwendungen Politikinstrumente zu überschaubaren Kosten bereitstehen, gibt es keine überzeugende Strategie für die Wasserstoffnutzung durch Haushalte. Eine Beimischung wäre nicht zielführend, um die europäischen Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen.

  3. Die Gasverteilnetze müssen auf das Ende ihres Geschäftsmodells vorbereitet werden. Klimaneutralitäts-Szenarien gehen von einem sehr begrenzten Einsatz von Wasserstoff in Gebäuden aus.

    Damit die EU auf 1,5-Grad-Kurs kommt, muss laut EU-Folgenabschätzung im nächsten Jahrzehnt der Verbrauch von Erdgas in Gebäuden um 42 Prozent zurückgehen.

  4. Europa hat grundsätzlich die Flächenpotenziale, um den Bedarf an grünem Wasserstoff zu decken. Aber: Für jedes GW Elektrolyse müssen 1 bis 4 GW zusätzliche Leistung aus Erneuerbaren installiert werden.

    Nichtsdestotrotz ist eine wettbewerbsfähige europäische Industrie auf preiswerten (grünen und CO₂-armen) Wasserstoff angewiesen, der über Pipelines aus Nachbarländern kommt, um Transportkosten möglichst niedrig zu halten. Die Importe über den Weltmarkt werden hauptsächlich aus erneuerbar erzeugten, wasserstoffbasierten synthetischen Kraftstoffen bestehen.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Matthias Deutsch, Gniewomir Flis
Publikationsnummer
258/05-I-2022/DE
Versionsnummer
1.0
Veröffentlichungsdatum

1. April 2022

Seitenzahl
56
Zitiervorschlag
Agora Energiewende, Agora Industrie (2022): 12 Thesen zu Wasserstoff
Projekt
Diese Publikation wurde erstellt im Rahmen des Projektes 12 Thesen zu Wasserstoff.

Grafiken aus dieser Publikation

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